Ein Tagtraum…


von Epaminondas Kalpakidis, aus der Zeitschrift ´Pharos von Pontos´, 2015

Ich lag Zuhause auf meinem Liegestuhl und habe das Buch “Salonica – City of Ghosts“ von Mark Mazower gelesen, als ich erkannte, dass ich schon seit Längerem mit meinen Gedanken woanders war. Wut überkam mich, da ich mal wieder viele Seiten nochmals lesen musste.

Ich habe über vieles nachgedacht, was nachvollziehbar ist, da ich gestern erst von unserem Festival Pontischer Tänze nach Hause zurückgekehrt bin. Kurz habe ich dann über das immer wieder aufkommende Problem mit den zu kleinen Umzugsräumen nachgedacht und über die Energie und Kraft, die manche Streitlustigen darauf verwenden, um dieses Thema auszudiskutieren…ich musste kurz lachen.

Während dieser kurzen Traumphase dominierten jedoch andere Gedanken.

Die Zeit mit den Freunden, der Einsatz, der Eifer, unsere Manie, der gemeinsame Weg, das Beisammensein – und dieser magische Höhepunkt mit tausenden, tanzenden Jugendlichen.
Ich glaube, dass sich in diesem Moment eine tiefgehende Zufriedenheit und eine gewisse Seelenruhe in meinem Gesicht verteilt haben. Dann kommt jedoch eine Art Trauer und überfällt mich, da diese schönen Momente der Vergangenheit angehören. Ich denke in solchen Augenblicken jedoch oft an Nikos Galis, der 1987 nach dem Europameister Titel im Basketball gefragt wurde, ob dies der größte Moment in seinem Leben sei, worauf er antwortete: „Es ist der größte, bis zum nächsten!“.

Lassen Sie mich hier verdeutlichen, dass das Festival Pontischer Tänze eines der größten europäischen Kulturveranstaltungen ist und dass unser Verband unsere Wertschätzung verdient. Dann habe ich das Buch auf die Seite gelegt und überlegt, ob wir das Festival noch weiter verbessern und weiterentwickeln können und diese Gedanken würde ich gerne mit Ihnen teilen.

Stellen Sie sich ein wunderschönes Dorf in der Schweizer Berglandschaft vor. Wir werden dem Bürgermeister und dem Stadtrat ein bis ins kleinste Detail vorbereitetes Konzept zu einem einzigartigen Event vorlegen. Das beinhaltet die Reservierung aller Unterkunftsmöglichkeiten ca. 2 Jahre im Vorfeld. Ein idyllisches Bergdorf im Zentrum Europas wird für einen Tag zu einem pontischen Dorf. In traditionellen Trachten gekleidet, werden alle Tänzer das Dorf fluten. Ob auf zentralen Plätzen, in Bäckereien, in Gaststätten und auch auf den Straßen, überall werden der Klang der pontischen Lyra und der herzliche Kontakt mit den Dorfbewohnern zu hören und zu spüren sein.

Wir werden die verschiedensten Aktivitäten planen wie Spiele, Tanzkurse, Kochkurse, Gespräche über Geschichte und Kultur, sowie auch Wandertouren in die Berge zu den grünen Weiden. Den Sonnenuntergang werden wir mit Gesang und Tanz begleiten. Dieser gemeinsame Tag wird einen Grundstein für eine ewige Freundschaft mit unseren Gastgebern legen und zu einer Rückkehr in naher Zukunft verpflichten.

Am Tag danach werden wir bei unserem Festival diesen Kurs der Freundschaft über Grenzen hinaus fortführen. Wir werden unsere Kultur und Gastfreundschaft weitergeben. Ein internationales Event, an dem auch deutsch- und englischsprechende Mitmenschen Freude haben werden. Vielleicht mit einem Hauch weniger Tanz und dafür einer etwas breiteren Palette unseres kulturellen Schatzes.
Der britische Historiker Arnold J. Toynbee hat einmal gesagt:

„Zivilisation ist Bewegung, nicht Zustand, Reise, nicht Hafen“

Diese Gedanken haben Enthusiasmus und Tatendrang in mein Gesicht gebracht, jedoch auch Fragezeichen und eine gewisse Problematik – Realistisches Szenario oder nur eine wunderschöne Utopie? Ich habe das Buch zur Seite gelegt und alle meine Gedanken in einer E-Mail zusammengefasst, um sie mit meinen engsten Freunden zu teilen…diese E-Mail habe ich nie abgeschickt…