Das Leben ist schön

von Epaminondas Kalpakidis, beigetragen haben Petroula Savoulidou und Christos Savvidis

 „Sie mal was ich Hübsches anhabe. Wir haben es geschafft, wir sind angemeldet. Weißt du was da los war als ich uns anmelden wollte? Der Schiedsrichter hat gesagt, Sie und Ihr Sohn stehen nicht auf der Liste, weil die Anmeldegebühr nicht bezahlt wurde, aber ich habe ihn überzeugt das wir bezahlt haben und dann habe ich meine Nummer bekommen, ich habe sie mir auch auf den Arm gemalt, damit ich sie nicht vergesse. Wir sind dabei!“

Ich bin mir sicher, dass sich etwas ganz Ähnliches um 1920 in einem Dorf an der Schwarzmeerküste der heutigen Türkei, der Heimat der Pontos-Griechen, abgespielt hat.

Roberto Begnini war wohl nicht dabei, und sein kleiner Sohn auch nicht, natürlich hat sich das Ganze auch in keinem Konzentrationslager abgespielt, aber auch in diesem Fall war es sicher schrecklich und zugleich amüsant…

Das wahrscheinlichste Szenario ist wohl, dass die Familie bestehend aus Chambos, dem Vater, aus Tsofa, der Mutter und aus Ihrem Sohn Kostikas, wie auch zehntausende anderer Familien an diesem „Spiel“ teilnahmen.

Zur Handlung:

Imera, Pontos 1913. Chambos Papadopoulos, Händler, Clown und Lebenskünstler verliebt sich in seine „Prinzessin“ Tsofa, und reitet auf einem grün bemalten Schimmel mit Ihr in die Berge, kurz danach heiraten die beiden.

Vier Jahre später leben Chambos und Tsofa glücklich zusammen und haben einen kleinen Sohn namens Kostikas. Chambos unterhält einen Buchladen, dem jedoch aufgrund der steigenden Unterdrückung der Neutürken die Kundschaft fehlt, Chambos ist Pontos-Grieche.

Eines Tages kommt es noch schlimmer: Als Chambos, sein Onkel und der kleine Kostikas von den Türken verschleppt werden, rennt Tsofa ihnen nach und lässt sich freiwillig ebenfalls auf die “lange Reise“ mitnehmen.

Von Anfang an, „erklärt“ Chambos seinem Sohn diesen Marsch als ein großes Spiel, indem es vor allem darum gehe, dass er ihn so lang wie möglich Huckepack nehmen muss, das gibt Punkte und dass der, der als erstes während des Gehens spricht, Punkte abgezogen bekommt. Mit zahlreichen Geistesblitzen und grotesken Manövern gelingt es Chambos die Illusion des Spiels für Kostikas aufrecht zu erhalten.

Tag für Tag kommt man dem Sieg näher. Viele legen sich während des Marsches hin zum „Schlafen“ und bleiben zurück, sie sind damit ausgeschieden. Der Preis sei eine lange Fahrt mit einem riesigen Schiff, so motiviert Chambos seinen Sohn Tag für Tag und lässt ihn auch die Ikone aus der Kirche Imeras tragen, das gibt einen Extrapunkt.

Chambos kann seinen Sohn vor den Türken bewahren, wird aber selbst, kurz vor Ankunft in einem Wald erschossen. Seine Mutter trägt den Kleinen am nächsten Tag bis zum Hafen, wo er das riesige Schiff zu sehen bekommt. Nachdem beide und der Onkel auf das Schiff stiegen, fragt er seine Mutter, „ist Papa ausgeschieden, weil er im Wald eingeschlafen ist?“ Ja, antwortete die Frau die gerade Ihren Mann verloren hat mit Tränen in den Augen, aber wir haben gewonnen!

Falls jemals ein Film einen Oskar verdient hat, dann “Das Leben ist schön“ Roberto Begninis. Wie bewahrt man ein Kind vor den Schrecken dieser Welt? Mit einem Spiel, mit der Illusion, dass das Leben schön ist, mit dem eigenen Leben…

Ich habe mir Gedanken darüber gemacht ob man den 19. Mai, den Gedenktag des Genozids an 353.000 Pontos-Griechen immer mit Leid, Trauer, Trauermärschen, schrecklichen Bildern und Videos, Dokumentationen, wie auch mit endlosen Reden und Berichten verbringen muss.

Sicher ist all dies notwendig, um einen Information- und Lerneffekt zu erreichen und vor allem nicht zu vergessen. Aber Roberto Begnini hat uns mit diesem Film eins gelehrt, es gibt Alternativen.

Es gibt heute viele gute Ansätze, junge Menschen über den Globus verteilt die diesen schrecklichen Genozid aus Überlieferungen Ihrer Uhrgroßeltern und Großeltern kennen, und nicht mehr, aber auch nicht weniger als ein anerkennendes „JA“ der Türkei zu den Gräueltaten jener Zeit fordern.

In Deutschland geht man verantwortungsbewusst mit seiner dunklen Vergangenheit um. Man bekennt sich dazu. Man findet den Frieden zu seinen Mitmenschen und kann so trotz der Vergangenheit in eine gesunde Zukunft schauen. In der Türkei ist Verschleierung und Verfälschung der Vergangenheit die gewählte Taktik, um nach vorne zu blicken.

Wollen wir hoffen, dass solche Taten sich nicht wiederholen. Ein Spiel soll auch nur ein Spiel sein und nichts Anderes.

Diese kleine Geschichte verbirgt verschiedene Messages, die jeder für sich selbst herausfiltern muss.

Unser Leben ist das Produkt unserer Gedanken.

Danke Roberto!

 

We will always remember